Mössinger mit Medaillen
Eine Woche lang wurden Ende Juni im niederländischen Arnheim die European Transplant Games ETG 2026 ausgetragen. Bei der alle zwei Jahre stattfindenden Europameisterschaft der Transplantierten und Dialysepatienten waren über 1000 Athleten aus 24 Ländern am Start. 400 Volunteers halfen bei der Durchführung der ETG. Im Badminton war Jörg-Andreas Reihle von der Spvgg Mössingen erstmals bei einer EM im deutschen Team. Wegen Leukämien hatte er sich zwei Mal einer Knochenmark-Transplantation unterziehen müssen.
Mit einer peppigen Eröffnungsfeier im Arnheimer Stadttheater begann die EM. Neben kurzen Grußworten umfasste sie musikalische Darbietungen, eine Flaggenparade der teilnehmenden Nationen und den Athleten-Eid.
Die ETG wurden aufgrund der Wetterlage zu einer wahren Hitzeschlacht, das war auch beim offiziellen Badminton-Training am Sonntag bereits zu ahnen. Zum Schutz der Teilnehmer wurden Laufwettbewerbe auf den frühen Morgen vorgezogen, einige lange Strecken gar abgesagt. Ab Mittwoch wurde Sport zwischen 12 und 18 Uhr in den Niederlanden vom Staat verboten, ab Donnerstag sogar komplett. Das warf die Zeitpläne der EM komplett über den Haufen, unter anderem viele Leichtathletikdisziplinen fielen ersatzlos aus-eine große Enttäuschung für die betroffenen Sportler.
Die Badmintonwettbewerbe fanden am Montag und Dienstag noch ganz regulär im großen Multisport-Zentrum „Falkenhuizen“ statt, der Schweiß floss in Strömen. Alle Spiele wurden von holländischen Schiedsrichtern geleitet , es kam die vom Badminton-Weltverband unlängst beschlossene neue Zählweise mit Sätzen bis 15 Spielpunkten zur Anwendung.
Im Einzel am Montag kam Jörg mit klaren Zweisatz-Siegen bis ins Halbfinale, wo er dem späteren Sieger und aktuellen Weltmeister Alan Cowling (Großbritannien) knapp mit 9:15/15:6/12:15 unterlag. Damit hatte er die Bronzemedaille errungen.
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| ETG2.jpg: Jörg im Einzel | Jörg freut sich über zwei Medaillen und viele neue Freunde |
Doppel und Mixed wurde am Dienstag gespielt, bei nochmals höheren Temperaturen. André Kuse (Ahaus), der zwei Mal lebertransplantiert ist, war Jörg`s Doppelpartner. Die beiden spielten erstmals zusammen und mussten sich zuerst auf dem Court “finden“. Dann lief das Zusammenspiel immer besser, nur den Siegern Zoltan Janos Koka/Attila Orban (Ungarn) musste sich das deutsche Duo geschlagen geben. Damit gab es für Jörg und seinen mit 2 Meter Gardemaß ausgestatteten Partner bei der Siegerehrung aus den Händen der Präsidentin des Niederländischen Badmintonverbands die Silbermedaille.

Podium im Herrendoppel: Jörg (li. außen) gewinnt mit André Kuse (Ahaus) Silber
Die Wettbewerbe liefen bei aller sportlichen Konkurrenz in sehr harmonischer Atmosphäre ab. Nach den Matches gab es Umarmungen und auch Küsschen unter den Sportlern, man posierte nach allen Spielen mit den Schiedsrichtern für Erinnerungsfotos. Das Motto der EM „Celebrate Life“ wurde von allen Teilnehmern gelebt.
In der Mixed-Disziplin hatte Jörg keine Partnerin, deshalb konnte er da nicht mitmischen. Vielleicht beim nächsten Mal…. Die nächsten Transplantierten-Turniere stehen schon in seinem Kalender, es sind die Deutsche Meisterschaft im Mai 2027 in Lahr und im August 2027 die World Transplant Games, die nächste WM im belgischen Leuven.
Auf sportpolitischer Ebene laufen übrigens aktuell ergebnisoffene Überlegungen und Gespräche, ob der Transplantiertensport in einer eigenen Kategorie in den Para-Sport integriert und damit auch eine Teilnahme an den Paralympics für transplantierte Sportler möglich wird.
Text: Spvgg Mössingen
Fotos: Nadja-Christine Reihle

