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Taktik & Technik & Psychoregulation

Am 27. April - 29. April 2007 trafen sich in der Sportschule Ruit zu einer Trainerfortbildung 20 Teilnehmer/innen.

von Michael Koch VfL Sindelfingen

09.05.07. BWBV-Trainerfortbildung Badminton

Sportschule Stuttgart-Ruit

27. April – 29. April 2007

Schwerpunktthema: Taktik & Technik

Nach der Begrüßung und der Vorstellungsrunde führte Klaus Schipke am Freitagabend das Thema Taktik durch die Vorstellung der Wahrnehmungskette Erkennen – Verarbeiten – Entscheiden ein. Als Lösungsprinzipien der taktischen Aufgabe wurden Geschwindigkeit, Platzierung und Täuschung vorgestellt. Innerhalb der Fortbildung war die Täuschung

ausgeklammert. Danach zeigte Klaus wie schon im Aufwärmtraining die Koordination sowie die räumliche Wahrnehmung geübt werden kann. Er stellte verschiedene einfach durchzuführende Koordinationsübungen (Tippelschritte durch mehrere auf dem Boden

hintereinanderliegende Hulla-hupp-Reifen mit unterschiedlichen Lauf-Rhythmen und Arm- sowie Schlagbewegungen) vor. Danach zeigten Partnerübungen mit Gymnastikbällen Möglichkeiten die räumliche Orientierung mit leichten Bewegungen zu verbinden. Am Samstag vormittag ging Petra Simon auf kurz- und mittelfristige Situationsanalyse während des Spiels ein. Die wesentlichen Beurteilungskriterien kurzfristiger Art sind die Unterscheidung in Situationen in welchen der Trainierende viel/wenig Zeit hat oder sich in einer stabilen/instabilen Lage befindet. Zusätzlich zur Geschwindigkeit, Platzierung und Täuschung können die Lösungsprinzipien Befreiung und Neutralisation eingesetzt werden. Die mittelfristige Taktik bezieht sich auf die Bewertung der eigenen/gegnerischen Schwächen/Stärken um dadurch eine taktische Marschroute vorzugeben. Petra zeigte Übungen zu den taktischen Marschrouten: „Druck aus dem Hinterfeld entwickeln“, „Vertreiben des Gegners aus dem Spielzentrum“, „Druck aus Hinterfeld entwickeln/Druck im Hinterfeld

neutralisieren“, „Spielaufbau gestalten: Spielfeld öffnen über hinten“, „Das Lösungsprinzip Geschwindigkeit anwenden“, „Spielaufbau gestalten: Spielfeld öffnen über runter“, „Gegner drehen“, „Diagonale Schläge einsetzen und nachbereiten“.

Am Samstagnachmittag stand die psychische Komponente der Taktik im Mittelpunkt. Sportspychologe Stefan Straub ging schwerpunktmäßig auf die Psychoregulation ein. Unteraktivierte Sportler sollten mobilisiert, überaktivierte Sportler relaxiert werden um im Wettkampf in die mittlere Aktivationsebene zu kommen. Dort ist das Leistungsniveau am größten. Möglichkeiten zur Mobilisation und der Relaxation können im Verhalten, in der Umwelt oder in der Wahrnehmung gefunden werden. Das 3-Ebenen-Modell der Trainingssteuerung mit Bewegungsebene (Ablaufsteuerung), Handlungsebene (Prozessregulation) und der Persönlichkeitsebene (Selbstkontrolle) wurde vorgestellt. Alle 3-Ebenen finden im „Hier und Jetzt“ statt und Sportler müssen sich darüber bewußt sein, dass Wettkämpfe in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit (schon verlorene Punkte) oder der Zukunft (sichere Satz- oder Spielgewinne) entschieden werden. Dazu hat Stefan den Slogan „sei 100% Badminton / Tischtennis“ geprägt. Stefan stellte das Prinzip der progressiven Muskelentspannung vor und führte praktische Übungen dazu durch. Danach ging er auf das positive Denken und Coaching ein. Beide Methoden können zusätzliche Motivation hervorrufen und leistungsfördernd sein. Er stellte Ergebnisorientierung, Handlungsorientierung, Lage- und Gegner- und umweltorientierung gegenüber und ging auf Möglichkeiten Sportler individuell zu fördern ein. Der von ihm entwickelte

sportpsychologische Fragebogen wurde behandelt und am praktischen Beispiel in der Sporthalle ausgefüllt und erprobt.

Teilnehmer:

Ditzenbach, Michael ( TSV Tauberbischofsheim)

Reinecke, Peter (TSG Ehingen)

Mayer, Rudolf (VfB Friedrichshafen)

Schlichter, Matthias (SV Felldorf)

Schwarz, Ulrike (SV Spaichingen)

Donath, Thilo (TV Pforzheim)

Wieland, Evi (BV Esslingen)

Lathouris, Constantina (BV Esslingen)

Mai, Bernhard (TG Nürtingen)

Strilecky, Helmut ( VfL Sindelfingen)

Koch, Michael (VfL Sindelfingen)

Baumgärtner, Ralf (VfL Sindelfingen)

Wagner, Kurt (SV. Sal. Kornwestheim)

Saßenscheidt, Helmut (TS Esslingen)

Reiß, Heinrich (TSG Dossenheim)

Rüdlbrahim, Johannes (TSG Backnang)

Gönner, Thomas ( TSV Gärtringen)

Hanke, Markus (TV Neckargmünd)

Kopp, Lothar (TSB Aistaig

Buß, Maria (BC Lahr)

2. Bericht von Helmut Strileckyj (VfL Sindelfingen)

Die Teilnehmer haben sich am Freitag nach dem Abendessen im Lehrsaal getroffen, in dem Lehrgangsleiter Klaus Schipke die Teilnehmer begrüßte und den Lehrplan, sowie die Lehrgangsabläufe erläuterte.

Nach kurzer Vorstellungsrunde der Teilnehmer und deren Tätigkeitsfeld in Ihrem Verein, ging es auch gleich in die Halle zu den ersten Übungseinheiten.

Am Freitagabend stand Taktik-Training (Wahrnehmen und Entscheiden) auf dem Programm, hierzu hat Klaus bereits in der Aufwärmphase interessante Übungen vorgestellt, in der Koordination und räumliche Wahrnehmungen spielerisch geschult wurden.

Danach hat Klaus die Wahrnehmungskette ERKENNEN-VERARBEITEN-ENTSCHEIDEN mit Bildbeispielen dargestellt, die anschließend in taktische Aufgaben im Feld unter den Bedingungen GESCHINDIGKEIT – PLAZIERUNG umgesetzt wurden, die weitere Bedingung TÄUSCHUNG konnte aus Zeitgründen nicht praktisch geübt werden.

Der erste Tag fand in der Sportlerklause seinen Ausklang mit regem Erfahrungsaustausch aus der Trainertätigkeit im Verein.

Am Samstagvormittag ging es gestärkt nach einem guten Frühstück in die Halle, in der Referentin Petra Simon das Thema TAKTISCHE MARSCHROUTEN zuerst theoretisch erläuterte, insbesondere Situationsanalysen während des Spiels, hier soll der Spieler frühzeitig die Stärken und Schwächen seines Gegners erkennen und seine eigene taktische Marschroute festlegen. Um diese Fähigkeiten dem Spieler zu vermitteln hat Petra umfangreiche ÜE ausgearbeitet, die von den Teilnehmern im Feld praktisch umgesetzt wurden um diese ÜE in das eigene Trainingsprogramm mit aufzunehmen.

Nach der Mittagspause kam für alle der unbekannteste Vortrag aus dem Lehrplan

PSYCHOLOGISCHE TECNIKEN ZUR BEWÄLTIGUNG DES WETTKAMPFSTRESSES.

Der Referent Dipl. Psychologe Stefan Straub hat dieses Thema gekonnt und anschaulich, mit aussagefähigen Unterlagen vermittelt. Wichtig war die Erkenntnis, dass die Sportpsychologie den Spieler langfristig und systematisch zu seiner optimalen Leistungsfähigkeit führen kann, jedoch niemals einen kurzfristigen erfolg verspricht, s. hierzu Bsp. Deutsche Fußballnationalmannschaft, hier ist Jürgen Klinsmann neue Wege gegangen und hat einen Sportpsychologen eingesetzt der die Mannschaft systematisch aufgebaut und aus jungen, international unbekannten Spielern eine Leistungsstarke und erfolgreiche Mannschaft geformt hat.

Kernpunkt der Sportpsychologie ist die PSYCHOREGULATION, damit der Sportler im Wettkampf seine höchste Leistungsfähigkeit und Konzentration (100%Badminton) bringen kann.

Dieser optimale Zustand wird erreicht, wenn der psychische Zustand des Sportlers auf einer mittleren Aktivationsebene liegt, d.h. wenn der Sportler ausgeglichen ist.

Um auf diese mittleren Aktivationsebene zu kommen muß der unteraktivierte Spieler angeheizt werden MOBILISATION(Bsp. Musik mit 130-170Takte pro Min,od. aktiver Atmungstechnik); dagegen muß bei einem überaktivierter Spieler die Stresssituation abgebaut werden RELAXATION (Bsp. Musik mit 60-70 Takte pro Min., oder progressive Muskelentspannung).

Die aktive Atmungsübungen und die progressive Muskelentspannungsübungen hat Stefan demonstriert und diese wurden anschließend von den Teilnehmern geübt.

Um diese Theorien in die Praxis umzusetzen wurden aus freiwilligen Teilnehmern Spielpaarungen zusammengestellt die einer Stresssituation dahingehend ausgesetzt wurden, dass der Verlierer des Spiels eine Zusatzleistung (Strafe) bringen muß, d.h. jeder Spieler war gezwungen voll konzentriert das Spiel anzugehen um die Zusatzleistung zu vermeiden. Die Nichtspieler mussten die Spieler über Ihren Gefühlszustand vor und zur Halbzeit des Spiels befragen und das Ergebnis bewerten und im Anschluß berichten.

Auch der 2. Tag wurde in der Sportlerklause beendet, nur diesmal war der Hauptgesprächstoff, außer den Fußballergebnissen der Bundesliga, der sportpsychologische Vortrag von Stefan und man war einhellig der Meinung, daß diese Einführung in das Thema dem Übungsleiter hilft, Grundfehler bei der Betreuung des Sportlers zu vermeiden und Ihm gewisse Übungen zur

PSYCHOREGULATION anbieten kann, jedoch keine systematische, sportpsychologische Betreuung ersetzt, d.h. je höher das Leistungsniveau, lohnt es sich den Sportpsychologen bei einem sensiblen Spieler einzusetzen, um aus einem Trainingsweltmeister einen Wettkampfsieger zu machen.

Am Sonntagvormittag ging es ebenfalls gestärkt in die Halle, in der Referentin Petra Simon Ihr Thema TAKTISCHE MARSCHROUTEN auf hohem Niveau fortsetzte, mit ÜE zum frühen Balltreffpunkt, speziell in der Vorderfeld Rückhandecke. Hierzu hat Sie in Ihren ÜE besonders auf die neuen Techniken bzgl. Startschritt (Tiefenentlastung), Onestep Übungen und die verkürzten Schläge hingewiesen.

Nach dem Mittagessen war Lehrgangsende und alle Teilnehmer fuhren hochmotiviert nach Hause, um die neuen Erkenntnisse in Ihre Trainertätigkeit im Verein einfliesen zu lassen.

Fazit: Alle Teilnehmer waren vom Lehrplaninhalt und Umsetzung durch die Referenten begeistert.